Meine Sprache, mein Zuhause: Englisch

Einer der interessantesten Aspekte des Englischen sind bestimmt die vielen Variationen der Sprache, die weltweit gesprochen werden. Englisch wird in Ländern gesprochen, die sich auf gegenüberliegenden Seiten des Erdballs befinden, und daraus ergibt sich eine erstaunliche Vielfalt.

Von Sarah Robinson / 8.6.2017

Mehr Texte unserer Reihe “Meine Sprache, mein Zuhause” findest zu hier.

Der Teil der Welt, in dem Englisch die meistgesprochene, und oft sogar einzige Sprache der Bevölkerung ist, lässt sich grob in drei Gegenden unterteilen: die britischen Inseln, Ozeanien / Australien und Nordamerika. (Hinzu kommen noch andere wichtige Staaten in Afrika und der Karibik.)

Staaten, in denen Englisch Amtssprache ist © Anja Meunier

Die bedeutendsten Unterschiede zwischen den Dialekten finden sich in Rechtschreibung und Wortschatz. Australische und britische Muttersprachler würden zu Herbst autum, zum Aufzug lift und zum Schrank wardrobe sagen, während Amerikaner fall, elevator und closet benutzen würden. In der britischen Rechtschreibung benutzt man bei Verben die Endung -ise anstatt des amerikanischen -ize (zum Beispiel bei specialise, organise oder memorise), und man schreibt Nomen mit -our statt -or (zum Beispiel favourite oder colour).

Doch obwohl sich die Dialekte des Englischen in Stil, Vokabular, Aussprache und Grammatik unterscheiden, kommt es extrem selten vor, dass beispielsweise ein Kanadier einen Neuseeländer nicht versteht, und umgekehrt. Falls man sich gegenseitig wirklich nicht verständigen kann, lässt sich das meistens darauf zurückführen, dass einer oder beide einen sehr starken Akzent haben, doch nach meiner Erfahrung lässt sich normalerweise zumindest die generelle Bedeutung vermitteln.

Englisch wird oft als sehr geradlinige Sprache wahrgenommen, und ich bin geneigt dem zuzustimmen. Dies wird besonders gut von unserer Tendenz zu Namenwort-Ketten illustriert. Eine Namenwort-Kette ist einfach eine Reihe von Wörtern, eins nach dem anderen, die dazu dient, das letzte Nomen zu bestimmen ohne auf andere Tricks wie Adjektive oder Präpositionen zurückzugreifen. Sie werden hauptsächlich im Business-Kontext oder in der Politik und Verwaltung verwendet, doch man findet sie auch anderswo. Wenn zum Beispiel der örtliche Gemeinderat einen Park errichten möchte, um einen Jahrestag zu feiern, wäre es vollkommen angemessen, dies als das “anniversary park construction project” (“Jahrestagsparkerrichtungsprojekt”) zu bezeichnen. Probleme ergeben sich jedoch dann, wenn dieser Behörden-Sprech überhandnimmt, und die Bedeutung sich nur noch schwer entschlüsseln lässt, besonders von Nichtmuttersprachlern. Mein persönliches Lieblingsbeispiel stammt von einer Regierungswebseite, es ist ein Bericht namens “independence payment assessment criteria equality analysis” (“Unabhängigkeitsbeitragsüberprüfungskriteriengleichheitsanalyse”).

Eine Sache, um die ich diejenigen, die Englisch lernen, als Muttersprachlerin nicht beneide, ist der Umgang mit der Rechtschreibung und der Aussprache von Wörtern. Es stimmt zwar, dass Englisch nicht solche linguistischen Vielschichtigkeiten aufweist, wie zum Beispiel das grammatische Geschlecht, doch manchmal ist ihm eine gewisse “Regellosigkeit” zu Eigen. Sehen wir uns zum Beispiel die Buchstaben “ough” an und vergleichen die verschiedenen Aussprachen der folgenden Wörter: rough [ruhf], plough [plou], though [th oh], through [throo], hiccough [hik-uhp], and thorough [thur-oh] (rau, Pflug, obwohl, durch, Schluckauf, gründlich).

Wenn du dich noch mehr verwirren lassen möchtest, schau dir diesen Ausschnitt des Gedichts “The Chaos” von Gerard Nolst Trenité an, in dem es auch um dieses Thema geht. Das Gedicht enthält rund 800 der verwirrendsten Rechtschreib- und Ausspracheunregelmäßigkeiten des Englischen. Ich sollte noch anmerken, dass sogar Muttersprachler nicht das komplette Gedicht korrekt vorlesen können!

“Have you ever yet endeavoured
To pronounce revered and severed,
Demon, lemon, ghoul, foul, soul,
Peter, petrol and patrol?
Billet does not end like ballet;
Bouquet, wallet, mallet, chalet.
Blood and flood are not like food,
Nor is mould like should and would.
Banquet is not nearly parquet,
Which exactly rhymes with khaki.
Discount, viscount, load and broad,
Toward, to forward, to reward,
Ricocheted and crocheting, croquet?
Right! Your pronunciation’s OK.
Rounded, wounded, grieve and sieve,
Friend and fiend, alive and live.”

Hier kannst du das ganze Gedicht lesen und hier kannst du dir anhören, wie es (größtenteils!) korrekt ausgesprochen wird.

Westminster Bridge, London © Anja Meunier

Ich bin nicht der Meinung, dass die englische Sprache geschützt werden muss, oder dass sie “rein” bleiben muss. Tatsächlich hat Englisch das Glück, eine der meistgesprochenen Sprachen der Welt zu sein, und nicht vom Aussterben bedroht zu sein, wie viele andere Sprachen. Die aktuelle Welle des Nationalismus in Großbritannien hat diese harsche Meinung einiger zwar sichtbar gemacht, doch die englische Sprache entwickelt sich konstant weiter und ist historisch betrachtet schon immer eine Sprache, die sich viel von anderen “ausleiht”. Wir nehmen die Wörter anderer Sprachen in unseren Sprachgebrauch und denken nicht ein einziges Mal darüber nach, dass es sich nicht um “englische Wörter” handeln könnte. Wir benutzen Wörter wie Kindergarten, déjà vu, de facto, al dente, per capita, zeitgeist und en masse, um nur ein paar zu nennen. Wir fügen unseren Lexika mit Leichtigkeit Neologismen hinzu, von denen viele aus der Welt des Internets stammen, zum Beispiel spam, crowdfunding, und googling, die inzwischen alle offiziell in englischen Wörterbüchern stehen. Die Aufnahmefähigkeit und Heterogenität des Englischen machen seinen Charme und seine Stärke aus, und je mehr Leute es sprechen, um so besser!

Um mehr über die historische Tendenz des Ausleihens in der Englischen Sprache zu lernen, schau dir das Video ‘The History of English’ der Open University an.

Mehr Texte unserer Reihe “Meine Sprache, mein Zuhause” findest zu hier.

Autorin

Sarah Robinson (England)

Studium: Französische und Deutsche Sprache und Literatur

Sprachen: Französich, Deutsch und Englisch

Europa ist… komplex und unbezahlbar.

Übersetzung

Anja Meunier (Deutschland)

Studium: Mathematik und Wirtschaft

Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch

Europa hat… schöne Länder, interessante Leute, einen tollen Lebensstil. Und muss zusammen halten.

500px: Anja Meunier

Author: Anja

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