Das bewegte Leben von Papillon

Diesen Sommer lief in den Europäischen Kinos der Film Papillon. Michael Noers Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1973 wurde von der dramatischen Lebensgeschichte von Henri Charrière inspiriert, dessen Autobiografie die Welt in Aufruhr brachte.

Von Alessandra Ivaldi / 13.10.2018

Charrière, wegen des Schmetterlingstattoos auf seiner Brust besser bekannt als “Papillon”, wurde 1906 in Ardèche in Frankreich geboren, in den Zwanzigern lebte er als Kleinkrimineller in Paris.

Der 26. März 1930 markierte einen Wendepunkt in seinem Leben. An diesem Tag wurde Roland Legrand, Metzger und Zuhälter, erschossen. Bevor dieser im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag, nannte er der Polizei den Namen seines angeblichen Mörders: Papillon Roger.

Obwohl Papillon stets seine Unschuld beteurte, wurde er verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. Man transportierte ihn in eines der furchtbaren Gefängnisse in der Strafkolinie Französisch-Guayana, berüchtigt für die dortige Brutalität gegenüber den Gefangenen.

Gemeinsam mit anderen Sträflingen unternahm er zwei Fluchtversuche, wurde jedoch gefasst und zurück ins Gefängnis gebracht, von man ihn mit Jahren inhumaner Einzelhaft bestrafte. Er gab vor, an Demenz erkrankt zu sein, um stattdessen in ein Heim gebracht zu werden, von wo aus es leichter wäre auszubrechen. Doch diese Idee gab er schließlich auf, da in der Zwischenzeit der zweite Weltkrieg ausgebrochen war, und jeder Fluchversuch mit der Todesstrafe geahndet wurde.

Papillon verbrachte elf schreckliche Jahre im Gefängnis. Seinem Buch zufolge wurde er nach Devil’s Island versetzt, bekannt für Grausamkeiten gegenüber den Gefangenen, und gemeinhin für ein ausbruchssicheres Gefängnis gehalten. Auf eben jener Insel plante Papillon seinen letzten Ausbruch. Der Versuch, Französisch-Guayana auf einem aus Kokusnüssen gebauten Floß zu verlassen, glückte. Doch seine Unglücksgeschichte war noch nicht vorbei. Sein Ausbruch brachte ihn nach Venezuela, wo er erneut verhaftet wurde und im Gefängnis landete. Glücklicherweise waren die Bedingungen dort besser, als in den französischen Strafkolonien.

Im Jahr 1945 wurde er schließlich entlassen und ließ sich in Caracas nieder. Duch seine Hochzeit mit der Venezulanerin Rita Alcover erlangte er eine Aufenthaltserlaubnis und eröffnete eine Restaurant, wodurch er einige Jahre ein vergleichsweise friedliches Leben führte. Er erlangte sogar gewisse lokale Berühmtheit, doch 1967 zerstörte ein Erdbeben all das, vofür er zuvor hart gearbeitet hatte. Das veranlasste Papillon dazu, seine Autobiographie zu verfassen und zu verkaufen, die sofort zu einem internationalen Erfolg wurde. Seine Memoiren brachten die schrecklichen Lebensbedingungen in französischen Strafkolonien erstmals ans Licht, und beeinflusste die öffentliche Meinung weltweit – ganz besonders in Europa.

Daraufhin begann für Papillon ein neues Leben. Er arbeitete als Schauspieler und kooperierte mit Filmemachern, entschlossen seine Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Der wichtigste unter ihnen war Franklin J. Schaffner, der bei dem Film Papillon von 1973 Regie führte, welcher ein großartiger Erfolg wurde. Steve McQueen verkürperte dir Rolle des Henri Charrière, und Dustin Hoffman trat als Louis Dega auf, ein Fälscher und Mitgefangener Papillons.

Die letzten Jahre von Papillon verlieven recht friedvoll. Im Jahre 1970 wurde er offiziell durch das französische Justizministerium begnadigt und konnte nach Europa zurückkehren, wo er sich in Fuengirola in Spanien niederließ. Er starb schließlich 1973 in Madrid an Kehlkopfkrebs und wurde in Ardèche an der Seite seiner Mutter begraben.

Heute sind sich viele Forscher einig, dass Papillons Biografie mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden muss. Es ist gut möglich, dass einige der geschilderten Unglücke nicht ihm selbst, sondern seinen Mitgefangenen widerfahren sind. Doch wie die Wahrheit auch immer aussehen mag, Papillons Buch hat es geschafft, unsere Augen gegenüber der Gewalt in Europas Strafkolonien zu öffnen, ein Teil unserer Geschichte der lange Zeit verdrängt und übergangen wurde.

Autorin

Alessandra Ivaldi (Italien)

Studium: Fremdsprachen für internationale Kommunikation

Sprachen: Italienisch, Englisch, Deutsch, Französisch

Europa ist... ein kulturelles Erbe.

Übersetzung

Anja Meunier (Deutschland)

Studium: Mathematik und Wirtschaft

Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch

Europa hat… schöne Länder, interessante Leute, einen tollen Lebensstil. Und muss zusammenhalten.

500px: Anja Meunier

Der Artikel ist auch in English, Français, Italiano, Nederlands, Polski und [Main Site] verfügbar.

Author: Anja

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

css.php