Schokoeier und Tauben – Ostern in Italien

Auf der ganzen Welt bereiten sich die Menschen auf das Osterfest vor. Lasst uns mal sehen, was in Italien passiert.

Von Alessandra Ivaldi / 1.4.2018

Ostern ist das wichtigste Fest der Christen, weil es die Auferstehung von Christus feiert. Der Tradition nach, sollte es davor eine Zeit der Enthaltsamkeit und des Fastens geben. Die Fastenzeit dauert vierzig Tage und soll die Gläubigen auf die Osterfeierlichkeiten vorbereiten.

Der letzte Sonntag vor Ostern wird Palmsonntag genannt, und erinnert an Jesus triumphalen Einzug nach Jerusalem, wo er von den Massen mit Palmwedeln begrüßt wurde. Deswegen werden am Palmsonntag auch heute noch Palmwedel – oder Olivenzweige, da Palmen in Italien nicht so verbreitet sind – an die Messgänger verteilt.

Die Woche nach Palmsonntag, die letzte Woche vor Ostern, wird Karwoche (settimana santa) genannt und sollte der Stille und Meditation gewidmet werden. Am Morgen des Gründonnerstag, dem letzten Donnerstag vor Ostern, wird in italienischen Kathedralen die Chrisammesse gehalten, in der die Bischöfe die heiligen Öle weihen, die während des Jahres bei Konfirmationen, Taufen und Priesterweihen verwendet werden, sowie zur salben von Kranken.

Schließlich, in der Nacht von Samstag und Ostersonntag, wird die Osternacht mit einer nächtlichen Mette gefeiert, welche sogar wichtiger als die Christmette ist. Das gilt insbesondere in den südlichen Regionen, wo diese Mette, mit Gesang und Ritualen gefeiert, bis zu drei Stunden dauern kann. Wer an dieser Mette nicht teilnehmen kann, kann auch den Ostergottesdienst am Morgen des Ostersonntag besuchen. Weil Ostern in Italien noch immer ein sehr wichtiger Feiertag ist, gibt es fast niemand, der nicht an wenigstens einem dieser Gottesdienste teilnimmt.

In den Tagen vor Ostern ist es gebräuchlich, dass man sich in italienischen Familien ein ganz bestimmtes Geschenk überreicht: Schokoladeneier! Woher kommt diese leckere Tradition? Denkst du vielleicht, dass es einfach eine Erfindung der Süßwarenindusrie sein könnte? Dann liegst du falsch! Ostereier zu verschenken ist ein alter Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Natürlich schenkte man damals keine Eier aus Schokolade, sondern echte Eier, die zu diesem Anlass bemalt wurden. Tatsächlich waren Eier schon immer ein Symbol der Wiedergeburt und in der christlichen Kultur sind sie stark mit der Auferstehung Christi verknüpft.

Zusätzlich zu den allgegenwärtigen Schokoladeneiern gibt es in italienischen Familien eine große Vielfalt an leckeren Speisen, sowohl salzige und süße, wie in den verschiedenen Regionen Italiens verschenkt werden.

Zunächst gibt es die Colomba di Pasqua, was wörtlich ‘Ostertaube’ heißt. Der Begriff steht für zwei verschiedene süße Speisen. Das erste, welches inzwischen in ganz Italien bekannt ist, wurde in den 1930er Jahren von der Mailändischen Firma Motta erfunden, die bekannt ist für ihre Konditorwaren, vor allem für die Panettone, die in der Weihnachtszeit verkauft werden. Die Erfindung der Colomba ist tatsächlich in dem Vorhaben begründet, Teig und Maschinen, die für die Panettone verwendet werden, auch im Frühling zu nutzen. Die Colomba ist ein süßes Gebäck, deren Form an eine Taube erinnert, ein Symbol des Friedens. Der originale Teig enthält Mehl, Eier, Butter, Zucker, Orangeat und Mandeln. Allerdings gibt es heutzutage auch andere, kompliziertere Varianten des Rezepts.

Colomba di Pasqua. Photo: N i c o l a | CC BY-NC-ND 2.0

Die zweite Version der Colomba ist weniger bekannt, obwohl die auf eine ältere regionale Tradition zurückgeht. In Sizilien übergibt man einander als Ostergeschenk kleine süße Tauben, die mit gefärbtem Zucker dekoriert werden. Manchmal halten diese Tauben auch einen kleinen Korb aus Marzipan, in den die Leute ein hart gekochtes Ei legen, passend zu der Tradition des Eierschenkens.

Bleiben wir im Süden Italiens. Ein weiteres Muss während der Osterfeiertage ist die neapolitanische Pastiera, ein Kuchen aus Rikotta, kandierten Früchten, Eiern und in Milch gekochtem Weizen, mit Zimt, Orangenhaut und Vanille.

Neapolitan pastiera. Photo: fagioniglio | CC BY-NC 2.0

Einer Legende zufolge wurde die Pastiera von der Meerjungfrau Parthenope kreiert, ein Charakter der griechischen Mythologie, der in der Vergangenheit in griechische Kolonien im Süden Italiens ‘importiert’ wurde. Jeden Frühling erschien sie aus dem Wasser, um die Menschen auf der Erde zu grüßen, und wie mit ihren wunderschönen Liedern zu verzücken. Ihre Stimme war so melodisch, dass die Menschen auf das Meer zu rannten, um die Ankunft der Meerjungfrau zu feiern. Eines Tages wurden sieben der schönsten Mädchen aus dem Küstendorf damit beauftragt, der Meerjungfrau zu danken, und ihr Mehl, Ricotta, Weizen, Zucker und die heute noch zur Zubereitung der Pastiera verwendeten Gewürze zu überreichen. Parthenope brachte die wertvollen Geschenke zu den Göttern, welche sie mit ihren göttlichen Kräften vermischten, und so etwas noch schöneres erschufen, als die Stimme der Meerjungfrau.

Nun ein Blick in den Norden. Die Region Ligurien bietet ein weiteres typisches Ostergericht, genannt Torta Pasqualina (wörtlich ‘kleiner Osterkuchen’). Für die Zubereitung wird ein Teig ausgerollt und mit einer Füllung aus Mangold, Zwiebeln, Eiern, geriebenem Käse und Kräutern serviert. Es können auch ganze Eier hinzugefügt werden, welche beim Backen hart gekocht werden, ein Tribut an die Tradition des Eierschenkens und das Symbol für Hoffnung und Wiederauferstehung.

Torta pasqualina. Photo: GabeD | CC BY-NC-ND 2.0

Autorin

Alessandra Ivaldi (Italien)

Studium: Fremdsprachen für internationale Kommunikation

Sprachen: Italienisch, Englisch, Deutsch, Französisch

Europa ist... ein kulturelles Erbe.

Übersetzung

Anja Meunier (Deutschland)

Studium: Mathematik und Wirtschaft

Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch

Europa hat… schöne Länder, interessante Leute, einen tollen Lebensstil. Und muss zusammenhalten.

500px: Anja Meunier

Author: Anja

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