Mein Kampf gegen den Post-Erasmus-Blues: Hallo, mein Name ist…

Das Depri-Gefühl, das jeden Ex-Erasmus-Studenten überkommt, wenn er nach einem Erasmus-Jahr an seine Heimatuni zurückkehrt, mag kein anerkanntes medizinisches Problem darstellen. Sich merkwürdig zu fühlen, ist dennoch völlig normal. Oder? In unserer neuen Reihe wollen wir unsere Autorin begleiten, wie sie nach einem ereignisreichen Jahr im Ausland zurück ins “normale Leben” findet.

Von Elinor Terry

Hallo, mein Name ist Elinor und ich liebe es, im Ausland zu sein. Erst vor einem guten Monat bin ich von meinem Auslandsjahr zurückgekommen und habe – zugegebenermaßen – ziemliche Entzugserscheinungen. Mein komplettes Auslandsjahr habe ich in Berlin verbracht; ich habe Bier getrunken, Karaoke gesungen und die bemerkenswertesten Menschen in der U-Bahn getroffen. Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, das alles fehlt mir wahnsinnig. Im letzten Monat wurde ich zurück in mein altes Leben geworfen, zurück zu meiner alten Uni und meinen alten Freunden… und es ist alles so anders als meine Zeit im Ausland! Zusätzlich zu meinem Umzug bin ich nun auch noch mit einem der anstrengendsten und schwierigsten Jahre in meinem ganzen Studium konfrontiert.

Wenn man aus der 30 Grad-Hitze des Berliner Indian Summers herausgezogen wird und stattdessen wieder in eine Stadt kommt, die sich gleichzeitig vertraut und seltsam verändert anfühlt, kann einen das leicht in ein emotionales Loch fallen lassen. Für viele britische Studenten, die aus dem Ausland zurückkommen, wird die Anpassung außerdem dadurch erschwert, dass uns für das letzte Studienjahr ein Berg an Arbeit zugemutet wird und der schnell nahende Abschluss uns unter Druck setzt. Da die unklare Zukunft wie eine Wolke über uns schwebt, müssen wir schnell wieder auf Kurs kommen und uns statt mit Blabla-Cars und Club Mate mit unserer beruflichen Zukunft und Bewerbungsgesprächen auseinandersetzen.

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Glückliche Erinnerungen aus der Erasmus-Zeit © Elinor Terry

Vielleicht übertreibe ich ein wenig: Ich lebe in einer Stadt, die zwei Jahre lang meine Heimat war, zusammen mit zwei tollen Mädchen, die auch im Ausland waren und wissen, was ich gerade durch mache. Außerdem wird mir meine Auslandszeit auf jeden Fall bei der Jobsuche helfen und ich habe viele großartige, neue Freunde gefunden, die ich jederzeit wieder besuchen kann, wenn ich mit meinem Studium fertig bin. Warum verbringe ich also so viel Zeit damit, über die Nachteile nachzudenken? Und bin ich mit diesen Gedanken alleine?

Um diese Eine-Millionen-Dollar-Frage soll es hierbei gehen. Als Autorin war es für mich immer am einfachsten, mit einem Problem oder Hindernis fertig zu werden, indem ich darüber schreibe. Und nach ein paar hundert Wörtern wird mein Kopf langsam etwas klarer. Heutzutage drehen sich die Gespräche innerhalb der Erasmus-Gemeinschaft vor allem darum, um den Druck, ein „perfektes Auslandsjahr“ zu verbringen, und wie schlecht man sich fühlt, wenn das nicht gelingt. Aber was passiert, wenn dein Auslandsjahr tatsächlich perfekt war, oder zumindest nahe dran? Wie ergeht es den Reisenden, die mit einer gewissen Bedrücktheit zurückkehren, nachdem sie in einem neuen Land ein Zuhause und eine Familie gefunden haben? Die Liebespaare, die auseinander gerissen werden, oder die Mitbewohner, die nicht wissen, wann sie sich wiedersehen werden? Über diese Gefühle wird oft nicht gesprochen und man ist damit auf sich alleine gestellt.

Zum Glück wird sich diese Reihe mit all diesen drängenden Fragen befassen, ebenso wie mit meinem Gefühlschaos. Am liebsten würde ich gerne sofort wissen, wie ich mich mit meinem “Post-Erasmus-Blues” arrangieren kann, und hoffentlich können wir im Austausch mit anderen Heimkehrern aus der Erasmus-Community in den nächsten Wochen ein magisches und dringend benötigtes Gegenmittel finden.

Autorin

Elinor Terry (Großbritannien)

Studium: Deutsche und englische Literatur

Sprachen: Englisch, Deutsch

Europa ist… supergeil, supergeil!

Illustration

Luzie Gerb (Deutschland)

Studium: Kunstgeschichte, Kunsterziehung und Vergleichende Kulturwissenschaft

Sprachen: Deutsch, Englisch, Schwedisch, Französisch

Europa ist… voller magischer Orte, interessanter Menschen und ihren Geschichten.

Webseite: www.luzie-gerb.de

Übersetzung

Anik Weiß (Deutschland)

Arbeit: Übersetzerin / Projektmanagerin

Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, ein bisschen Spanisch und Italienisch

Europa ist vielfältig und voller spannender Kulturen, Menschen und Landschaften.

Korrektur

Anja Meunier (Deutschland)

Studium: Mathematik und Wirtschaft

Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch

Europa hat… schöne Länder, interessante Leute, einen tollen Lebensstil. Und die Notwendigkeit zusammen zu halten.

500px: Anja Meunier

Author: Anja

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